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AGA - Allgemeines Gammeln und Abkotzen

"Die Allgemeine Grundausbildung soll dem Soldaten eine Einführung in die militärische Ordnung sowie ihm grundlegende Kenntnisse im Umgang mit Waffen und Ausrüstung geben. In der Allgemeinen Grundusbildung lernt der Soldat, sich mit seinen Kameraden zu arrangieren und sich selbst und seine Ausrüstung stets in einsatzbereitem Zustand zu halten. Grundlagen der Heeresordnung sowie Vorgesetztenverhältnisse und Dienstwege werden ebenso angesprochen wie die gesetzlichen Bestimmungen."

... genug gelacht? OK, dann kann's ja weitergehen ...

Die Entscheidung zwischen "Kriegsdienst" und "Ersatzdienst", die einem ja angeblich per Grundgesetz zugesprochen wird, ist eigentlich gar keine. Stellen wir uns den relevanten GG-Artikel noch mal vor (sinngemäß):

"Es darf keiner gegen seinen Willen zum Kriegsdienst mit der Waffe gezwungen werden."

Für mich bedeutet das: Es darf jeder gegen seinen Willen zum Kriegsdienst ohne Waffe gezwungen werden. Und "Zivildienst" ist vom Prinzip her genau das: Kriegsdienst ohne Waffe. Im Grunde sollten Dienste im Altersheim oder Kinderheim die Ausnahme darstellen, jedenfalls wird das schlagartig so sein, wenn es brenzlig werden sollte. Dann wird man in der Versorgung oder im Lazarett eingesetzt - Kriegsdienst halt.

Nicht das ich das erwarte, oder das irgendjemand anders das erwartet. Aber so sieht es das Gesetz vom Prinzip her doch vor. Insofern ist die Illusion von der "Totalverweigerung" etwas, hm, halt illusorisch. :) (Achtung: ich habe keinen Einfluss auf den Inhalt hinter dem o.a. Link und distanziere mich vorsichtshalber ausdrücklich von demselben - er existiert zu reinen Informationszwecken!)

Leere Versprechen

Ich habe vor dem Einberufungsbescheid, wie es wohl jeder macht, alle möglichen Leute gelöchert, was denn nun besser ist -- und ich habe, wie wohl jeder, von keinem eine eindeutige Antwort bekommen -- "muß jeder für sich entscheiden" war der Grundtenor. Im Nachhinein habe ich bei einigen das Gefühl, das haben sie nur gesagt, weil sie nicht einsahen, das ich mich drücken würde :-)

Ich habe den Wehrdienst primär "gewählt", weil ich möglicst schnell fertig werden wollte -- hätte ich Zivildienst gemacht, hätte ich nach dem Wehrdienst nicht gleich ein Praktikum machen können und in diesem Jahr noch anfangen zu studieren. Andere Gründe gab es dafür nicht -- mir war es anfangs im Grunde egal.

Trotzdem habe ich bei der Musterung ein sehr ausgiebiges Gespräch mit der Wehrdienstberatung geführt und von Jobs bis Praktika über Studium alles mögliche ausdiskutiert. Leider, hat es absolut nix an meinem "Schicksal" geändert, obwohl mir der Wehrdienstberater alles mögliche grüne und blaue vom Himmel runter versprochen hat.

Der Anfang

Ich bin dann in Schwerin eine Panzerkompanie eingezogen worden. Meine vorraussichtliche Verwendung war Panzerbesatzung -- die 8 Wochen Grundausbildung lassen sich grundsätzlich ungefähr so zusammenfassen:

Woche 1: Ankunft, Empfang von Ausrüstung, Anzugs/Spindordnung, Wehrrecht, Waffenkunde (G3), Fitness-Test.
Woche 2: Sport, Gesundheitsuntersuchungen, Schießausbildung, Sozialberatung.
Woche 3: Biwak 1 (StoÜbPl): Nachtmarsch, Leben im Feld, Schützengräben, 6km-Marsch.
Woche 4: Sport, San-Ausbildung, Formaldienst, Wehrrecht.
Woche 5: Biwak 2 (TrÜbPl):Waffenkunde, jede Menge Schießen, Sanitäterausbildung im Feld.
Woche 6: Gelöbnisgottesdienst, Schießen, Melderparcours, Sport.
Woche 7: Vorbereitung auf das Gelöbnis, Formaldienst, ABC-Ausbildung, Gelöbnis,
Woche 8: Rekrutenprüfung, Waffenreinigen, Stubensterilisation, Waffenreinigen, Waffenreinigen.

Sie sollen nicht denken, ...

Grundalgen [sic]

Etwas Umgewöhnung gab es durchaus, und das wurde auch ganz von Anfang an durchgezogen. Unser Tagesplan während der Grundausbildung:

4:30h Aufstehen
5:00h Antreten, Stubenkontrolle
5:30h Frühstück
6:30h Dienstbeginn
11:00h Mittagspause
11:30h Antreten und Marsch zum Mittagessen
12:00h Rückmarsch, Stuben- & Revierreinigung
13:00h Mittagsantreten, Stubenkontrolle
16:30h Dienstschluß

Highlights

Von Anfang an hatten wir den dumpfen Eindruck, das die Organisation der verschiedenen Unterrichtseinheiten durchaus hätte besser -- effizienter -- verteilt werden können. Hätten wir die Zeit, die wir in den ersten Wochen mit Nichtstun verbracht haben (und zwar innerhalb der Dienstzeit, während des Dienstes), vernünftig ausgefüllt, und das war ohne Probleme möglich, hätten wir im Prinzip jede Woche schon am Donnerstag nach Hause fahren können - der Freitag wäre überflüssig gewesen. (Oder, wir hätten einige Sachen viel intensiver in viel kürzerer Zeit lernen können -- je nach Sichtweise. :-)

Das fängt damit an, daß wir abends zwei Stunden auf den Stuben sitzen, weil irgendein Dienstgrad "vergessen" hat, uns Dienstschluß zu befehlen (weil er die ganze Zeit in der Kneipe hockte). Das geht weiter mit UvDs, die abends (20-23h) nicht da waren, damit wir unsere Stuben abmelden konnten -- und sich morgens beschwerten, daß wir nicht schnell genug aufstehen (4:30 Wecken). Und es hört noch lange nicht auf mit Befehlen, die ungenau die Befehlskette runterwandern und deshalb mitunter völlig anders bei uns ankommen, als es der Zugführer erwartet hat -- und ratet mal, wer dann den Ärger bekommt.

Und trotzdem tut alles so, als wäre absolute Präzision und Genauigkeit oberstes Gebot -- ein paar Beispiele:

  • Aufstehen 4:30 Uhr: Wer um 4:35 von einem schlecht gelaunten Uffz noch im Bett erwischt wird, kann sich u.U. schon mal beim Zugführer auf ein paar Extrawürste gefaßt machen...
  • Stubenkontrolle: Hemden und Hosen werden auf DIN A4 gefaltet, und u.U. halt einfach wieder rausgerissen und der Dienst entsprechend verlängert. Eßbesteck am besten mit dem Lineal ausrichten.
  • Klamottenordnung: Es ist verboten, sich bei Erkältung ein Halstuch (bw-olivgrün) umzubinden, wegen der "Einheitlichkeit". Auch wenn die Konsequenz heißt, morgen Fieber und ab zum Sanni. [Biwak 2]

Einige Situationen haben wirklich sehr intensiv dazu beigetragen, daß wir manche Vorgesetzte nicht mehr ernst nehmen konnten (ich will hier keine Namen nennen, deshalb kürze ich sie ab: Feldwebel K., StUffz P., usw.) was natürlich nicht offen gezeigt wurde. Aber es half irgendwo schon sich zu denken, der Kerl muß im wirklichen Leben ziemlich hilflos sein, wenn er so laut brüllen muß, damit man ihn respektiert ...

Andererseits:

Diejenigen, die meistens ruhig waren, gut mit sich reden ließen, wenig brüllten, und einigermaßen berechenbar waren (dh. man wußte wie man sie zu behandeln hatte - in jeder Hinsicht), wurden auch entsprechend respektiert. Leider waren dies nicht die Masse, nur einige Mannschaftsdienstgrade und Uffze, und i.A. die Offiziere. Diejenigen, mit denen man ständig zu tun hatte (Panzerbesatzung) haben sich leider oft wirklich so benommen, als bräuchten sie die Rumbrüllerei für ihr Ego.

"Sie sollen nicht DENKEN, Sie sollen NACHDENKEN!"
"Ja, aber eigentlich NACHdachte ich, es wäre schon längst Dienstschluß..."

Zuletzt geändert am: 09.05.2005 09:53
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