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Was einem der falsche Provider alles bescheren kann

Bis ca 2000 war diese Homepage (mit einem völlig anderen, verspielteren Layout) über einem anderen Provider erreichbar. Sie lag dort längere Zeit ohne beachtet zu werden oder von mir auf dem Stand gehalten zu werden, ganz einfach weil mir das Studium erstmal wichtiger war und ich keine Zeit hatte, sie nebenher noch weiterzupflegen.

Auf der Hauptseite wurde dieser Provider, nennen wir ihn C., sehr positiv erwähnt, weil er mir ursprünglich für lau eine Subdomain, beliebig viele Mail-Adressen, einen Shellaccount auf dem Webserver, Perl, PHP3 und Datenbankzugriff erlaubt hatte, damit ich experimentieren konnte.

Diese Einstellung mir gegenüber hat sich später plötzlich völlig geändert. (Und - Update - seit ca 2001 gibt es diesen Provider nicht mehr. Anscheinend waren wir nicht die einzigen, die sich verarscht gefühlt haben. Schön!)

Ein Provider, der
  • ohne Vorwarnung oder Ankündigung meine privaten Mails löscht,
  • meine Accounts und Zugänge sabotiert,
  • und literally JAHRE für versprochene, triviale Einrichtungen braucht,
ist für mich keine Alternative. Und in meinen Augen ist C. momentan exakt das.

Wie alles anfing

Etwa Mitte 1998 kontaktierte mich selbiger Provider und fragte, ob ich ein Projekt für ihn übernehmen wollte. Ich hatte damals schon das eine oder andere kleine Skript für ihn geschrieben (natürlich gegen Bezahlung) und war der Idee nicht grundsätzlich abgeneigt, allerdings sollte dieses Projekt ehrenamtlich ausgeführt werden. Dafür gäbe es keine Deadline - ich hätte quasi völlige Narrenfreiheit bezüglich der Tools und wie ich die Sache realisiere.

Dieses Projekt stellte sich heraus, war eine Mitfahrzentrale. Der Projektinitiator war jemand, der diese Mitfahrzentrale kommerziell betreiben wollte (mit Bannerwerbung) und dafür dem Provider 10% der Einnahmen versprochen hatte.

Ich sollte also ehrenamtlich für ein kommerzielles Projekt arbeiten, von dem sich C. anscheinend einen nicht zu verachtenden Gewinn erhoffte. Naja.

Ich akzeptierte das Projekt trotzdem (ich hatte noch Zeit, die Datenbankintegration faszinierte mich und außerdem hatte ich ansonsten nicht wirklich was ernsthaftes am Hut und dachte das dazugelernte könnte mir evtl. später von Nutzen sein). Ich wurde von C. mit Dokumentation für die dort verwendete ADABAS-Datenbank versorgt und von da an quasi alleine gelassen.

Warten war nicht alles ...

Einige Zeit später hatte ich einen lauffähigen Grundstock des Projektes, allerdings in PHP und nicht mit der proprietären Adabas-WebDB, fertig und bat C., mir die nötigen PHP-Module zu installieren. Es geschah nichts.

Wieder einige Zeit später (mittlerweile war ich mitten im Studium und hatte nicht mehr soo viel Zeit zwischendurch) bat ich ihn erneut, sein Versprechen bzgl. "Tools-Freiheit" wahr zu machen und mir die PHP-Module zur Verfügung zu stellen. Wieder passierte nichts. Mittlerweile hatte ich mich mit dem Initiator des Projektes Hitchhikers mehrfach getroffen und wir hatten Projektdetails besprochen, völlig unabhängig von C. auch schon an den Wechsel zu einem anderen Provider gedacht, wenn er nicht auf Touren kommt.

Der Hammer

Aber der wirkliche Hammer (oder die Hämmer) kommt noch. Nach ca. eineinhalb Jahren Warten auf die Einstellungen, die wir brauchten, und keinen Antworten von C. und auch keinen Erklärungen, warum wir so lange warten mußten, war zwar PHP eingerichtet, aber nur für meine persönliche Domain, und nicht für die Hitchhikers-Domain. (Einmal wurden wir in der Wartezeit mit sinngemäß "zahlende Kunden haben Vorrang" abgespeist, und mußten ihn dezent daran erinnern, daß er prozentual an unserem - mittlerweile war es wirklich unser - Geschäft teilhaben wird, sobald es in die Puschen kommt).

Eines Tages bekam ich von ihm die EMail, daß die Datenbank fertig eingerichtet war, aber der ganze Spaß plötzlich entgegen der vereinbarten Beteiligung DM 179.- im Monat kosten sollte. Das ging uns natürlich gestrichen gegen den Sinn und wir erinnerten ihn an unsere (leider nie schriftlich verinbarte) Regelung der Beteiligung. Die kannte er plötzlich nicht mehr und wußte sowieso von nichts. Wir bekämen die Datenbank jedenfalls nicht ohne diese zusätzliche Gebühr.

Wir verneinten und meinten, wenn er sich nicht an unsere Abmachung hält, dann werden wir den Provider wechseln, denn für DM 179.- im Monat kriegen wir woanders einen ganzen Server, nicht nur eine popelige Domain mit Datenbank. Er antwortete nicht.

Domainwechsel über Umwege

Als wir zwei Monate später (das Projekt war so gut wie in den Startlöchern und funktionierte intern schon sehr gut) bei Schlund und Partner ein Datenbankpaket (für 79.-/Monat mit sieben Domains und Webspace ohne Ende, also deutlich günstiger) orderten und den Transfer der Domain (KK-Antrag) einleiteten, kam der Domainwechselantrag von C. mehrfach mit "verweigert" zurück.

Ein Schelm, wer Böses hierbei denkt. Wir registrierten vorerst eine ähnlich klingende Domain (wir hatten bereits Namensrechte auf den Namen, d.h. wir hätten die Domain früher oder später einklagen können, aber soweit wollten wir es wirklich nicht treiben) und starteten den Relaunch. Durch die Verzögerung von fast zwei Jahren hatten wir jede Menge potenzielle Kunden verloren, die mußten wir wiederholen und das schnell.

C. meldete sich kurze Zeit später und meinte, er würde die Domain zurück an den DeNIC geben, weil wir sie ja nicht mitgenommen hatten und damit nicht mehr brauchen. Daß wir drei KK-Anträge korrekt ausgefüllt und abgeschickt hatten und die von ihm verweigert wurden, war ihm angeblich völlig unbekannt. War er wirklich so blöd oder wollte er uns verarschen? Ich tippe letzteres, aber es kommt noch besser: Für die Sicherheit, daß der dann vereinbarte vierte KK-Versuch erfolgreich läuft - daß er also die Domain 3-4 Tage länger bei sich hält, bis der KK da ist, sollten wir eine Monatspauschale von DM 179.- zahlen. Das wäre üblich und damit müßten wir halt leben.

Wir sagten also "du kannst uns mal" (natürlich nicht wörtlich) und holten uns die Domain drei Tage später vom DeNIC wieder, kurz nachdem sie da gelandet war.

Homepage-Sabotage

Zu diesem Zeitpunkt (und längere Zeit danach) lag aber meine persönliche, private Homepage immer noch auf C.'s Webserver und ich habe da auch von Zeit zu Zeit noch dran gearbetet. Ziemlich genau seit Übernahme der Domain durch Schlund und Partner begann ich bzw. meine Homepage-Upload-Skripte, mit dem FTP-Zugang Probleme zu haben:

  • Das Löschen von Dateien funktionierte nicht mehr. Ich mußte dies per Shell machen - nicht an sich ein Problem, aber lästig.
  • Dateien wurden vom FTP-Server plötzlich so angelegt, daß der Webserver sie nicht lesen konnte. Ein chmod war plötzlich für jede Datei notwendig, was eigentlich der Server hätte machen können. Nicht fatal, aber lästig.
  • Der FTP-Server hat es mir nicht mehr erlaubt, Up- oder Download-Resumes durchzuführen, d.h. eine unterbrochene Verbindung wiederaufzunehmen.

Und so weiter. Kurze Zeit später konnte ich mich nicht mehr per SSH einloggen. Mails an C. blieben unbeantwortet. Da ich aber prinzipiell eine kostenlose, halbwegs funktionierende Webpage hatte, habe ich mich nicht künstlich aufgeregt (das wars wohl, was er wollte) sondern es einfach erstmal ignoriert.

Bis meine Mails plötzlich verschwunden.

Mailschlucker

Gemerkt habe ich das erst, nachdem mich ein Komilitone drauf aufmerksam gemacht hatte. Ich hatte zu der Zeit schon andere Mailaddressen und mir ist nicht sofort aufgefallen, daß alle Mails an "***@pinguin.c....de" nicht mehr ankamen, aber auch nicht zurückgesendet wurden. Ich wunderte mich und prüfte mein lokales Mailsetup. Nichts. Mails abolen konnte ich weiterhin (POP funktionierte), es waren bloss nie welche da.

Kurze Zeit später konnte ich auch keine Mails mehr über C. versenden, jedenfalls nicht über andere Aliases, die ich mir angelegt hatte. So habe ich im Usenet z.B. stets unter der Addresse abuse@pinguin.c....de geschriebe, weil die von fast keinem Spammer angefaßt wird. Effektiv war das Relaying für meine Subdomain komplett entfernt worden, ohne mir ein einziges Sterbenswörtchen zu erzählen.

Ich rief bei C. an und fragte, was das sollte. Ich war mitten im Klausurstreß und hatte absolut keine Lust, mich jetzt mit kleinkarierten Idioten abgeben zu müssen, aber ich mußte an meine Mails kommen. Da kamen u.a. Klausurinfos an und das war wichtig.

Das Gespräch verlief ungefähr so:
(ich)   "Hallo, hier Jens. Was ist mit meinen Mails los? Warum hast Du das Relaying abgeschaltet?"
(er) "Hallo. Ja, denk mal scharf nach. Was hast du gemacht?"
(ich) "Ich habe gar nichts gemacht, was ..."
(er) (unterbricht) "Du routest hier endlos viele Mailboxen über unsere Domain und das finde ich scheisse. Die Domain ist dicht. Punkt."
(ich) "Was soll das denn? Wir hatten doch vereinbart, daß ich mir mehrere Aliases geben kann. Und ob ich nun 50 Mails über ein Alias oder je 5 Mails über 10 verschiedene schicke, ist doch ziemlich egal."
(er) "Wir hatten gar nichts dergleichen vereinbart. Die Mail bleibt dicht und das weitere ist Dein Problem."
(ich) "Hör mal, kannst du nicht wenigstens den jens@ Alias wieder freischalten? Der ist mir sehr wichtig, da gehen Klausurinfos usw. drüber und das ist ziemlich mistig, wenn die nicht ankommen."
(er) "Nein. das ist Dein Problem." <klick>

(Erinnerung: Er hatte mir usprünglich explizit erlaubt, beliebige EMail-Addressen der pinguin-Domain zu benutzen, diese wurden alle über EIN POP-Konto abgerufen, waren also nur vom Absender her "verschiedene" Addressen, weder vom Aufwand noch von den benutzten Ressourcen auf C.'s Servern hat das einen Unterschied gemacht.)

Was ihn vielleicht gestört hat, ist daß ich unsere Support-Mails bezüglich Hitchhikers immer noch mit der C.-Addresse als Absender geschrieben habe, weil das für mich einfach simpler zu handhaben war (und ja auch völlig problemlos möglich und legitim war). Anscheinend hat er versucht uns das Geschäft kaputtzumachen, indem er unsere Mailkontaktmöglichkeiten abtrennt.

Beschwerdeführer

Es wird lustiger. Kurze Zeit nach dem Blockieren bekam ich von ihm eine Mail über eine andere Addresse, die offensichtlich an die interne Admin-Mailingliste von C. gerichtet und zu mir als Kopie geschickt wurde. Darin hat C. mich als jemand beschrieben, der bereits mehrfach(!) gegen die Regeln verstossen hat, sich auf Anfrage nicht meldet (Schwachsinn - denn die Anfragen waren ja wegen C.'s Blockieren meiner Subdomain gar nicht angekommen) und ansonsten sowieso ein Idiot ist.

Der Witz war: Er hat diese Mail losgeschickt, nachdem die in der Mail erwähnte Deadline ("wenn er das nicht läßt, schalten wir seine Subdomain ab") abgelaufen war. Sehr witzig!

Warum ich eine Kopie der Mail bekommen habe, weiss ich auch nicht - ich habe allerdings geantwortet, über einen Web-Account, und zwar folgendermaßen.

  • Erstens hatte ich nicht "massig POP3-Accounts" angelegt und habe über den freien gesponsorten Zugang auch keine Mailaccounts verkauft oder sowas. Wenn ich als normaler User auf dem System POP-Accounts anlegen hätte können, wäre dessen Sicherheit sowieso sehr zweifelhaft gewesen.
  • Zweitens habe ich nicht versucht, mit dem Shell-Zugang irgendwo einzubrechen. Ich habe etwas gebraucht, bis ich begriff was er hier meinte: Ich habe die Shell zeitweise benutzt, um meinen eigenen Rechner zu testen (d.h. habe mich von C. auf meinem eigenen Rechner wieder eingeloggt usw.). Mein Gott, wenn er das nicht will, dann kann er mir das sagen, aber sang- und klanglos abgeklemmt zu werden finde ich ziemlich unverschämt.
  • Und drittens möge er mir bitte, wenn er mir schon Ultimaten stellt, diese auch erfüllbar stellen - i.e. abschicken, bevor sie ablaufen.

Auf diese Mail bekam ich natürlich wieder keine Antwort. Ich hatte aber auch keine erwartet.

Fazit

Ich hatte bei C. angefangen, weil mir der Laden solide aus "netten Leuten" zusammgesetzt erschien und ich den dortigen Admin schon persönlich getroffen hatte. Ich habe nicht damit gerechnet, zu welchen Methoden diese Person fähig ist, um Leute wegzuekeln oder sich auf eine so kindische Weise zu rächen, wenn man es so nennen will.

Ich für meinen Teil habe jedenfalls den Schluß gezogen, daß man sich sehr gut überlegen sollte, zu welchem Provider man wechselt, damit man sich nicht von irgendeinem kindischen Möchtegern-Admin auf so eine Weise verarschen lassen kann.


Zuletzt geändert am: 16.06.2003 01:03
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