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Was mir (persönlich) an Linux noch fehlt:

Seien wir mal ehrlich.... Anzugeben, daß Linux auf einem P100 die gleiche Leistung bringt wie NT auf einem P450 mit doppelt so viel Speicher, ist zwar völlig richtig, das liegt aber primär daran, daß die ganzen Serverdienste keine fette grafische Oberfläche mit sich rumschleppen (müssen) und deshalb viel genügsamer im Speicherverbrauch sind. Außerdem verbraucht der vi etwas weniger Systemressourcen als Word 97 ;-))

Was hier früher stand (und sich mittlerweile geändert hat)

Linux hat sich weiterentwickelt. Bisher waren hier einige Lücken aufgelistet, die jetzt bereits von der Community (oder externen Firmen) gefüllt wurden. Als da wären:

Administrationstools
Das "Chaos" im Verzeichnis /etc entspricht prinzipiell dem "Chaos" in der Windows-Registry - mit dem Unterschied, daß die Registry nicht manuell (ohne spezielle Software, mit einem einfachen Texteditor) editierbar ist, falls einem mal irgendwas das System zerschiesst. Das KDE-Projekt enthält seit einiger Zeit grafische Tools für die meisten Konfigurationsarbeiten - und bei allem anderen sind die Distributoren gefragt: Wenn ich eine SuSE Distribution kaufe, dann kann man schon mehr an "Benutzerfreundlichkeit" erwarten als wenn ich mir ein Debian CD-Image aus dem Netz runterlade. Hier gibt es keinen grundsätzlichen Bedarf mehr.
FIDONet-Software
Der Ur-Reiter dieser Software war XP (Crosspoint), ein DOS-Programm, was durch kaum eine andere Software übertroffen wurde. Es gibt ein Projekt namens "Husky", welches diverse FIDOnet-Programme unter Linux zur Verfügung stellt. Durch den Internet-Boom ist allerdings das FIDOnet eher in der Versenkung verschwunden (leider, muss ich sagen) und daher ist mir das momentan nicht mehr so wichtig.
Netzwerk-Einstellungen
Wenn man sich trifft um etwas zu spielen, und alle sagen 'moment ich geb mal kurz meine MP3s frei' (natürlich rein fiktiv ;), sollte man schnell und unkompliziert auf die verfügbaren Rechner im Netzwerk zugreifen können. Das ist gelöst worden, und zwar besser als es Windows je könnte:
l-was-fehlt-lan.png
LISa - LAN Information Server ist das Programm, was im Hintergrund das Netzwerk absucht und diese Informationen für den Konqueror (den KDE-Filemanager/Browser) zur Verfügung stellt. Und (anders als in Windows) funktioniert es deterministisch - entweder tauchen Rechner auf oder sie tauchen nicht auf, und wenn sie nicht auftauchen gibt es einen definitiven Grund dafür.
Nochwas: Wie so vieles ist LISa natürlich nicht auf Windows-Netzwerke beschränkt. Es findet momentan im Netzwerk NFS, Samba (Windows-Netzwerk), FTP-Server, HTTP (Webseiten), SSH-Server (FISH), und noch einiges mehr. Bald könnte es so aussehen:
l-was-fehlt-lan2.png
Netzwerk-Freigabe: HTTP
Das umgekehrte - das Freigeben von eigenen Netzwerkshares - ist ebenfalls gelöst worden, sogar gleich auf mehrere Weisen. Die einfachste Möglichkeit ist das Freigeben per HTTP-Server (Public File Server). Damit kann man die Bandbreite und die gleichzeitige Anzahl Zugriffe einschränken, und die Freigaben sind über jeden Browser benutzbar. Das Programm ist mit drei Mausklicks eingerichtet und läuft hervorragend.
l-was-fehlt-kpf1.pngl-was-fehlt-kpf2.pngl-was-fehlt-kpf3.png
Netzwerk-Freigabe: Samba/Windows-Netzwerk
Auch diese Methode ist mittlerweile einfach. Man kann einen ganzen Fileserver mit ein paar Mausklicks einrichten und genauso einfach Verzeichnisse freigeben. Siehe KSambaPlugin.
Firewalls
Ein Hinweis für Anfänger: Du brauchst unter Linux keinen Firewall. Jedenfalls nicht aus den Gründen, die dir unter Windows immer eingebleut wurden: Viren, Spyware, Trojaner, etc. gibt es unter Linux einfach nicht (in the wild, zumindest). Heutige Standard-Distributionen sind so konfiguriert, daß "nach aussen" nichts kritisches offen ist (ausser man stellt es selber ein). Und jede Anwendung läßt sich problemlos so konfigurieren, daß sie nur auf dem "internen" Netzwerkinterface "horcht", also braucht man nach aussen auch keinen Firewall.
Es gibt einige Ausnahmen, wo ein Firewall doch sinnvoll ist. Für die (wem keine Ausnahmen einfallen, der braucht keinen Firewall) gibt es Guarddog und Guidedog.
Musik-Software (Update: 30.11.2004)
Ich habe lange Zeit Capella verwendet, um einfache Noten für unsere Band zu setzen. Früher habe ich mit einer ur-alten Version von RoseGarden gespielt, welches eine MusixTeX Ausgabe generieren konnte.
Jedoch ist MusixTeX a) kompliziert, b) unübersichtlich und c) katastrophal zu bedienen und RoseGarden war damals auch nicht so toll. Das hat sich geändert: RoseGarden ist mittlerweile eine professionelle MIDI-, Audio- und Notationssoftware mit hunderten von Plugins, die für das Notensetzen LilyPond verwendet - sozusagen das "LaTeX für Notensatz".
Ich habe mich jedenfalls von Capella verabschiedet, schon alleine weil die Qualität der Ausgabe manchmal wirklich zu wünschen übrig liess.

... einiges ist besser ...

Die Installation von Programmen ist unter Linux momentan weitaus besser gelöst als unter Windows. Das Paketmanagementsystem, welches die populären Distributionen benutzen (z.B. RPM und DEBian) sorgt dafür, auch automatisiert, daß grundsätzlich ein laufendes System vorhanden ist, und alle Programme in einem lauffähigen Zustand auf der Platte liegen. Es sorgt aber auch dafür, daß alle Pakete ohne jeden Rest absolut müllfrei und atomsicher von der Festplatte entfernt werden können, und zwar ohne daß sich danach irgendwelche anderen Programme beschweren, daß ihnen was fehlt. Diese dummen Meldungen "Remove shared file?" von Windows wirst Du unter Linux nicht bekommen (woher soll ein Endanwender DAS auch wissen?), das regelt das Paketmanagementsytem.

Da Linux von Freiwilligen (hauptsächlich) erschaffen wurde, wird das programmiert, was benötigt wird -- nicht (unbedingt) das, was geil aussieht und/oder werbewirksam ist. Du kannst davon ausgehen, daß ein Programmierer unter Linux weitaus mehr Zeit aufwendet, sein Programm stabil hinzubekommen, als er für eine grafische Oberfläche verbrät.

Hier liegt aber auch ein Nachteil: Einsteiger haben oft ein hartes Brot, wenns um die Bedienung geht; denn die, dies schon können, brauchen keine Oberflächen, und die, dies noch nicht können, können sich auch keine selbst basteln. "Do it yourself" ist halt nicht immer die optimale Lösung, aber es gibt weitaus genug Leute, die einem gerne unter die Sprünge helfen, wenn etwas nicht vernünftig läuft.

Stichpunkt Support: Es gibt durchaus kommerziellen Support für Linux, wenn man es in kritischen Bereichen einsetzen will. Von IBM, Sun, SuSE oder Siemens (nur als Beispiel). Aber der beste, kostenlose, Support sind immer noch die Programmierer selbst, bzw. die User. Wenn man ein Programm intensiv benutzt, sollte man sich schnell auf die Mailing-Liste des betreffenden Programmierers setzen (beim vim ist das z.B. vim@vim.org, um an der Diskussion teilzuhaben, Probleme zu beheben, und auch durchaus Verbesserungsvorschläge einzubringen und an der Entwicklung aktiv teilzuhaben).

Fazit

Seien wir ehrlich: für Serverdienste ist Linux einwandfrei gewappnet. Es ist eine sehr gute Lösung, ob es nun Windows, Unix, oder Mac-Clients im Netzwerk gibt. Das Risiko ist nicht bzw. genauso(wenig) wie bei anderen Systemen vorhanden, weil es genug Firmen gibt, die einem kommerziellen Support bieten, wenn man sich selbst keinen Admin leisten kann/will etc.. Es kann sämtliche Protokolle dieser Erde, die in Netzwerken relevant sind, hat absolut keine Stabilitätsprobleme, und zwar nicht nur dann "wenn es richtig behandelt wird" (wie bei NT...), und der Kostenfaktor ist zu vernachlässigen. Viel wichtiger noch - ein Administrator hat jederzeit die volle Kontrolle über sein System - und ist nicht Geisel des Supportdepartments einer Monopolfirma, die genau weiss daß die Leute (meinen,) keine Alternative (zu) haben.

Auch für den Standard-Desktop-Bereich ist Linux prima gewappnet. Eigentlich fehlt es nur noch an etwas "Drumherum", den kleinen Fisimatenten, die es den Leuten, die sowieso an der Kiste sitzen, einfacher machen. Das liegt zum Teil an den unterschiedlichen Denkweisen und Prinzipien, die den Systemen zugrunde liegen - ein Windows-Programm, das von einer CD läuft, stürzt i.A. gnadenlos ab, wenn die CD mittendrin raugenommen wird. Linux dagegen läßt die CD nicht auswerfen, solange noch ein Programm drauf zugreift. Was ist jetzt "besser"?

Software gibt es genug. Spiele gibt es noch nicht genug, aber es ist unheimlich viel in der Mache. Darf ich erwähnen: Unreal Tournament (der Server läuft sowieso schon unter Linux), Myth II (sowas Diablo-mäßiges), Railroad Tycoon II, Quake 3 Arena, Kingpin, Command & Conquer III (geplant), und noch viele mehr.

Weiter: Mein Werdegang in punkto Linux

Zuletzt geändert am: 30.11.2004 13:01
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