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Radiotechnik für Fortgeschrittene

Das folgende Gedicht wird Dr. Frühauf zugeschrieben, der bis 1934 Hochfrequenztechnik an der TH Stuttgart lehrte. Sehr schön. :-)

Es liegt dem Menschen so im Blute, 
wenn an der Wand im Institute
er einen Schalter sieht, 
er daran zieht.

Oh Mensch, wer immer Du auch bist, 
willst du den Schalterhebel heben, 
erst prüfe: 'was wird sich begeben?'

Ich will bescheiden mal probieren,
zu schildern, was da kann passieren:
Du hebst den Hebel, der Kontakt 
stellt ein sich, wenn es leise knackt.
Das merken dann die Elektronen,
die auf den Kupferdrähten wohnen.
Und statt, wie vorher festzusitzen,
beginnen sie davon zu flitzen,
gehorchen nun der EMK,
wir nehmen an, die sei schon da,
gruppieren rasch sich noch zum Strom,
durchfließen einen Draht mit Ohm,
in diesem Draht bewirken sie 
dann eine Spannung r mal i;
und andererseits ist auch noch da,
des Feldes Wirbel rotor h.
Mit diesem dann, das wissen sie,
ist gleich zu setzen 4 mal Pi.

Der Strom fließt eilig durch den Draht,
ob er nun krumm ist oder gerad
und freut sich, daß er endlich frei
und nicht mehr angebunden sei.

Noch eilt er freudig so dahin, 
da, plötzlich wird der Draht zu dünn.
Sofort gibt es ein Mords Gedränge
der Elektronen in der Enge,
da bei dem kleinen Querschnitt q,
die Plätze ausverkauft im Nu.

Weil nun nicht Platz für alle ist,
beginnt in äußerst kurzer Frist,
der ganze Elektronenhaufen,
sich miteinander wüst zu raufen.

Der Kampf entbrennt, es tobt der Streit, 
die Hitze spürt man weit und breit
und nicht einmal die Strahlung reicht, 
daß diese Hitze ganz entweicht,
wiewohl sie gar nicht sich geniert 
und Kalorien mit sich führt,
vor Elektronen-Kampfeswut.

Wenn dieser Draht sich nun 
ein Rohr zu seinem Aufenthalt erkor,
das angefüllt mit Vakuum,
wird's einem Elektron zu dumm
und es begibt sich weg vom Draht, 
wenn es die Austrittspannung hat;
und diese ist so ungefähr 
ein halbes Volt stets und noch mehr.

Doch gibt es auch noch Elektronen, 
die lieber auf den Drähten wohnen.
Die gehen träg vom Drahte weg
und haben deshalb keinen Zweck;
im Gegenteile füllen sie
den Raum mit Ladung etwa wie
die Wolke, die am Himmel steht,
kurz vor ein Blitz hernieder geht.

Dies merkt dann aber die Anode,
greift mit dem Durchgriff zur Kathode,
zieht alle Elektronen wech,
durchs Gitter zum Anodenblech.

Durch diese rasche Übermannung, 
büßt aber auch von ihrer Spannung
gewaltig die Anode ein. 
Da dieses aber nicht darf sein, 
denn wenn die Spannung sinken würde, 
dies zum Bankrott der Schaltung führte.

Drum s'Kondensators Ladung q, 
zur Hilfe eilt herbei im Nu,
wie Hoover aus Amerika, 
nur ist das q viel schneller da.
Doch auch die Selbstinduktion,
hing still und leis' daneben schon;

und L und C, wie jeder weiß, 
die bilden einen Schwingungskreis.
Der fängt dann schnell zu schwingen an,
so rasch er es eben kann
und der vorhand'ne Kopplungsgrad, 
den die Antenne mit ihm hat,
macht, daß sodann mit Blitzes Schnelle
zum Äther eilt die Radiowelle.

Die Radiowelle, welche schwingt 
und so den Weltenraum durchdringt.
Doch plötzlich wird sie eingefangen, 
sie bleibt an einem Drahte hangen.
Am Draht, den wied'rum hing ein Mann 
dann an die Audioröhre an.
Am Gitter schafft sie allzumal 
sodann ein Minuspotential
und wirkt so ein auf die Kathode, 
sperrt dort den Strom zu der Anode
und macht, daß in dem Telefon 
man hört die Modulation.
Und diese hört dann, stell Dir vor, 
der Rundfunkhörer mit dem Ohr.

Drum noch einmal, mein lieber Freund, 
denn es ist wirklich gut gemeint,
wer immer Du auch bist: 
Willst Du den Schalterhebel heben, 
erst prüfe, "was wird sich begeben"!

Zuletzt geändert am: 22.06.2003 21:48
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